Einsatz der Dichtung
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde die deutsche Dichtung zum Sprachrohr enthusiastischer Mobilmachung und Kriegsdeutung. Es waren die Dichter, die im August 1914 an den Kampfeswillen der Kriegführenden appellierten, innere Überzeugung und Opferbereitschaft zu wecken versuchten. Die überwiegende Mehrzahl der großen deutschsprachigen Autoren, darunter Thomas Mann, Hugo von Hofmannsthal, Gerhart Hauptmann, Rainer Maria Rilke und Robert Musil, verknüpften ihre persönliche Existenz und ihr poetisches Programm aufs Engste mit dem Ernstfall des Kriegs, auch wenn dies ihre geistige Unabhängigkeit massiv beeinträchtigte. Während von den jüngeren Autoren viele ihren Fronteinsatz mit dem Leben bezahlten oder tiefe Verwundungen an Leib und Seele davontrugen, wurden die etwas älteren für lange Zeit aus der Bahn ihrer künstlerischen Kreativität geworfen.^ Wichtige kulturelle Grundzüge der Moderne {u2013} wie Massen gesellschaft und Technik, Wertezerfall und Sachlichkeit {u2013} fanden sich durch den Geschichtsbruch des Kriegs beschleunigt und verstärkt. Am Kriegsende rollten nicht nur Königskronen in den Staub, sondern auch der aufs Spiel gesetzte Nimbus der Dichter mußte weichen: eine
For young readers
Book data: Open Library